Es ist zu reich. zu nährend. zu weich.

Für die Menschen, die ihre Sehnsucht nach Tiefe im Innersten immer noch verurteilen. Für die, die das Gefühl haben, dass ihr Wunsch jenseits von Rollen und Klischees lieben und leben zu wollen, irgendwie zu gefährlich ist oder zu anders als die Masse.

 

Was mich jahrelang beschäftigt hat, ist: Wie erkläre ich meine innerste Erfahrung von wahrer Begegnung und Ekstase so, dass ich nicht in eine Schublade von Sexiness, Erotik, Orgasmus und Oberflächlichkeit gesteckt werde? Und wie kann ich etwas, das fast nicht fassbar ist, so vermitteln, dass meine Kunden den Wert darin sehen?

 

Und so habe ich meine Art, meine Tiefe, meine Genauigkeit abgewertet und viele Ausbildungen gemacht, um Bescheid zu wissen, was das Feminine und das Maskuline ist und wie Polarität am besten gelingt. Und ich war gut darin, das zu erklären und zu verstehen.

 

Aber wenn ich auf meine eigene Lebenserfahrung zurückschaue, waren die tiefsten Momente von Ekstase und Flow nicht einmal verbunden mit Partnerschaft, Liebe oder Sexualität, sondern mit diesem einen Moment der unmittelbaren Erfahrung.

 

So habe ich mich entschieden, all diese Teachings nicht abzuwerten. Sie sind gut und bringen viel Mehrwert. Aber auch, einfach sein zu lassen und das zu leben, was ich seit meiner Kindheit bereits in mir fühle. Menschen in die Erfahrung wahrer Begegnung einzuladen. Und die ist ekstatisch.

 

Und ich weiß: Wenn ich einem Menschen gegenüberstehe, der mir etwas performt, der typisch maskulin, feminin, bewusst oder spirituell ist, weiß ich, wie mein Körper reagiert. Ich fühle nichts. Ich fühle die Box. Ich fühle Projektion. Ich fühle auch einen Sog, wie ich darauf reagieren sollte.

 

Ich glaube, dass unsere tiefste Sehnsucht nicht dieser Box gilt, sondern unserem ureigenen, verspielten, wilden Sein. Was auch immer das für jeden Einzelnen bedeutet.

 

Und ja, es ist Übungssache, unsere Wahrnehmung so zu vertiefen, dass wir mit Freude und Leid, mit den tausend Facetten unseres Eros und den Facetten unseres Gegenübers präsent sein können. Ohne neue Geschichten zu bilden. Ohne neue Präferenzen zu erschaffen. Stattdessen einen sicheren, beschützenden Partnerschaftsraum zu kreieren.

 

Ja, das ist Aufwand. Das ist Genauigkeit. Das ist Präsenz und Verbindlichkeit und klar habe ich mich oft daneben gefühlt, wenn grundsätzlich der Tenor gilt: Liebe ist genug. Nur die Liebe zählt.

 

Aber du wünschst dir nicht eine Begegnung, die voraussehbar ist, in der du die hingebungsvolle, leidenschaftliche Frau spielst. Du willst das Mysterium dieser tausend Facetten erforschen und du willst ein Gegenüber, das genau richtig darauf eingehen kann.  Nicht maskulin, nicht feminin, nicht bewusst, nicht reflektiert, sondern Moment für Moment einfach genau richtig. Nicht perfekt.

 

Ich liebe es, meine Kunden und Kundinnen in diese Erfahrung zu begleiten. Ich nehme die Dissonanz im Körper des anderen in mir wahr. Wenn der Mensch mir gegenüber den Moment verlässt, ausweicht, kontrolliert, wenn der Atem mehr eine Übung ist als die Wahrheit des Augenblicks.

 

Ich liebe es zu fühlen, zu spüren und zu erforschen, was unter all diesen Mechanismen eigentlich wirklich gelebt werden will. Ich liebe es dann, ganz konkrete, pragmatische Trainings- und Forschungsprojekte zu vereinbaren, mit denen meine Kundinnen und Kunden in ihren Alltag gehen und sich neu verhalten.

 

Wo früher vielleicht ein schlaues Wort oder ein spirituelles Konzept gefallen wäre, ist da vielleicht ein tiefer Atemzug und ein Annehmen, dass wir gerade nichts wissen. Vielleicht ist da aber auch ein Klang deiner Stimme, eine Bewegung, von der du vorher gar nicht wusstest, dass du sie machen willst.

 

Ich sehne mich nach einer Welt, in der weniger die Begriffe die Qualität unserer Begegenung  bestimmen, wo Worte wie Seele, Spiritualität, Mann, Frau, Bewusstsein und Archetypen weniger Gewicht bekommen und stattdessen die Qualität der Erfahrung im Mittelpunkt steht.

 

Kannst du diese Freude und Aufregung im Herzen spüren, so wie ich? Die Gewissheit, dass du einen Partnerschaftsraum betrittst und dir dort nicht Unachtsamkeit und Gewohnheit begegnen, sondern tiefste Achtsamkeit, Verspieltheit, Neugier und Überraschung?

 

Dass die Wertschätzung für dich nicht wegen deiner Sexiness, deines Status oder dein Aussehen ist, sondern deine Hingabe an diese Qualität der Begegnung?

 

Es tut mir leid, aber es ist zu schön, zu reich, zu weich, zu nährend, um mich auf etwas Oberflächliches einzulassen.

 

So viele Mentorinnen im Bereich Partnerschaft und Intimität erzählen dir von Eros und Ekstase und Nähe und Distanz und Präsenz und Kommunikation und mein Körper reagiert darauf mit: Nein, danke. Das ist mir nicht genug.

 

Die Coaching-Industrie ist voller Ideale und Selbstoptimierung. Unangenehmes wird weggemacht mit Meditationen und Visualisierungen, mit Verwöhnmomenten, Paar-Tagen und Spa-Ausflügen. So wenige haben den Mut, wirklich in diese simple, tiefe und nährende Erfahrung der Unmittelbarkeit zu gehen.

 

Zu sehr wollen wir wissen: Wie? Wann? Wo? Warum? Wie lange? Weshalb? Wenn sich meine Kunden darauf die wahre Begegnung einlassen, gibt es kein Zurück mehr in Klischees und Oberflächlichkeit, in zu viel Geben, Entbehrung, Helfen und Retten.

 

Ja, du wirst vielleicht komisch aussehen für einen Moment. Vielleicht passt eine Facette von Ekstase, die ganz still, pochend und stöhnend ist, nicht zu deinem Gesicht als Coach oder Therapeut. Natürlich gibt es dann Theorien und Tipps darüber, was man tun kann, damit es nicht monoton, langweilig oder voraussehbar wird. Klar.

 

Etwas weniger Wahres und Wildes akzeptiere ich nicht. Ich will kein oberflächliche Privatleben. Ich will nicht, dass ich mich in meinem Privatleben für Facetten meines ureigenen Seins schämen muss, weil sie nicht zu einem Bild passen, das ich versuche zu leben.

 

Ein Bruchteil dessen, was in uns brachliegt, wird gelebt, gefühlt, gezeigt, geliebt und begehrt. Weil die Partnerschaft zu uns selbst fehlt, zu unserer Wildheit, zu unserer Ganzheit und wir beschämen Aspekte von uns, die nicht dieser Persona entsprechen, die wir gerne sein wollen.

 

Nun, diese Begegnungsqualität ist da. Sie ist da. Sie steht dir zur Verfügung, wenn du den Mut hast zu erforschen, zu bleiben, zu fühlen, dich anders zu verhalten, vielleicht sogar das Gegenteil. als gewohnt zu tun.